Gehalt LohntüteDie Lohnsteueränderungsrichtlinien 2015 enthalten Klarstellungen zur Bewertung von Sachbezügen, die in einer Vielzahl von Fällen von Bedeutung sind. Wichtige Änderungen betreffen die Abgrenzung von Bar- und Sachlohn und den 96-Prozent-Bewertungsabschlag bei Sachbezügen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist die Frage, ob Bar- oder Sachlohn vorliegt anhand der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen zu entschieden. Maßgebend ist, was der Arbeitnehmer nach arbeitsvertraglichen Vereinbarung vom Arbeitgeber beanspruchen kann. Es kommt nicht darauf an, wie der Arbeitgeber den Anspruch erfüllt und damit seinem Arbeitnehmer den zugesagten Vorteil verschafft (vgl. Bundesfinanzhof, Urteile vom 11. November 2010, Az. VI R 40/10, Az. VI R 26/08 und Az. VI R 21/09); dies ist insbesondere für die Frage der Anwendbarkeit der monatlichen 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze von entscheidender Bedeutung.

Gutschein mit Betragsangabe als Sachbezug

Aufgrund der vorstehenden Bundesfinanzhof-Rechtsprechung wurde die bisher in den Lohnsteuerrichtlinien enthaltene Aussage gestrichen, wonach ein bei einem Dritten einzulösender Gutschein bereits dann kein Sachbezug sein sollte, wenn neben der Bezeichnung der abzugebenden Ware oder Dienstleistung ein anzurechnender Betrag oder Höchstbetrag angegeben ist (R 8.1 Absatz 1 LStÄR 2015 „Abgrenzung von Barlohn und Sachlohn“). Offen bleibt aber immer noch, ob und wenn ja wann der Gesetzgeber die vergleichsweise großzügige Gutscheinhandhabung einschränkt.

4-%-Abschlag bei der Bewertung von Sachbezügen

Ausgangswert bei der Einzelbewertung von Sachbezügen ist grundsätzlich der um übliche Preisnachlässe geminderte übliche Endpreis am Abgabeort im Zeitpunkt der Abgabe (§ 8 Absatz 2 Satz 1 EStG). Aus Vereinfachungsgründen können 96 % des Endpreises angesetzt werden, zu dem sie der Abgebende fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet.

In die Lohnsteueränderungsrichtlinien 2015 wird nun die bereits bisher geltende Verwaltungsauffassung (vgl. Oberfinanzdirektion Münster vom 17. Mai 2011, Az. S 2334 – 10 – St 22 – 31) aufgenommen, dass der 4-%-Abschlag bei der Bewertung von Sachbezügen nicht vorzunehmen ist, wenn

  • bereits  der günstigste Preis am Markt angesetzt wird,
  • ein Sachbezug durch eine (zweckgebundene) Geldleistung des Arbeitgebers verwirklicht wird oder
  • ein Warengutschein mit Betragsangabe hingegeben wird.

Es handelt sich somit lediglich um eine Erläuterung der Rechtslage. Diese Regelung gilt bereits für alle offenen Fälle.

Beispiel:
Ein Arbeitnehmer bekommt von seinem Arbeitgeber anlässlich eines erfolgreichen Geschäftsabschlusses eine Kiste mit 6 Flaschen Weißwein, die er im Ort für 60 EUR erworben hat. Recherchen im Internet ergeben, dass diese Kiste Wein bei einem Weinhändler für 41 EUR einschließlich Versandkosten hätte bestellt werden können.

  • Ortsüblicher Preis (96-%-Regelung)

Kaufpreis der Kiste Wein                                            60,00 EUR

abzüglich 4 % pauschaler Abschlag                           -2,40 EUR

verbleibender, steuerlich maßgebender Wert         57,60 EUR

Der Sachbezug im Wert von 57,60 EUR übersteigt die 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze (§ 8 Absatz 2 Satz 11 EStG) und ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.

  • Günstigster Preis am Markt

Anstelle des ortsüblichen Preises (96-%-Regelung) kann der Sachbezug aber auch mit dem günstigsten Preis am Markt bewertet werden (= Wahlrecht).

Internetangebot für die Kiste Wein                            41,00 EUR

kein pauschaler Abschlag von 4 %                        +/-0,00 EUR

verbleibender, steuerlich maßgebender Wert         41,00 EUR

Bei dieser Bewertungsmethode liegt der Sachbezugswert unter der 44-Euro-Sachbezugsfreigrenze und wäre steuer- und sozialversicherungsfrei. (R 8.1 Abs. 2 LStÄR 2015 „96-%-Grenze bei Sachbezügen“)

Lohnsteueränderungsrichtlinien 2015 – Teil 2 Sachbezüge
Markiert in: