E-mailDas FG Köln hat die Klagen von vier Konkurrenzunternehmen der Deutschen Post AG auf Gleichbehandlung bei der Umsatzsteuerbefreiung abgewiesen. Die Unternehmen übten keine Post-Universaldienstleistungen aus und könnten daher die Umsatzsteuerbefreiung des § 4 Nr. 11b UStG nicht in Anspruch nehmen (FG Köln, Urteile v. 11.3.2015 – 2 K 2529/11, 2 K 1707/11, 2 K 1708/11 und 2 K 1711/11).

In dem Verfahren 2 K 2529/11 klagte ein Unternehmen, das sich zwar gegenüber dem zuständigen Bundeszentralamt für Steuern in Bonn (BZSt) verpflichtete, bundesweit Postdienstleistungen jeder Art anzubieten, wie sie auch die Deutsche Post AG erbringt. Allerdings bietet es den Brief- und Paketversand lediglich dienstags bis samstags an. Einen Teilbereich der Postbeförderung führte es selbst aus, für einen weiteren Teil kooperiert es mit anderen Postunternehmen. Für den restlichen Bereich (ca. 20 Prozent) bedient es sich der Deutschen Post AG.

Dies reicht nach Ansicht des 2. Senats nicht aus, um die Steuerbefreiung zu erlangen:
Das Unternehmen kann eine flächendeckende Postdienstleistung nur durch Inanspruchnahme der Infrastruktur der Deutschen Post AG realisieren.
Somit bleiben ihm unwirtschaftliche Kostenstrukturen im Zusammenhang mit der flächendeckenden Versorgung entlegener Gebiete erspart – und dies ist mit der Intention der Steuerbefreiung nicht vereinbar.
Unabhängig von der Flächenabdeckung steht der Steuerbefreiung auch entgegen, dass die Klägerin selbst nur an fünf Tagen die Woche zustellt, während nach der Postuniversaldienstleistungs-verordnung im Einklang mit Erwägungsgrund Nr. 21 der Post-Richtlinie eine Zustellung an „jedem Werktag“ erforderlich wäre.

In den weiteren drei Verfahren 2 K 1707/11, 2 K 1708/11 und 2 K 1711/11 hatten die Klägerinnen sich jeweils verpflichtet, im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland förmliche Postzustellungsaufträge auf Grundlage der Prozessordnungen und der Gesetze, die die Verwaltungszustellung regeln, zu erbringen. In diesen Verfahren stützte der 2. Senat die Klageabweisung darauf, dass die förmliche Postzustellung nicht der sog. Daseinsvorsorge diene. Diese Dienstleistung sei nämlich nur für Behörden und Gerichte zugänglich. Für die Verbraucher zeige sich ein Nutzen lediglich mittelbar in Form einer effektiv funktionierenden Rechtspflege.
Der Senat hat in allen Fällen die Revision zugelassen.

Quelle: FG Köln, Pressemitteilung v. 25.6.2015

Brief ist nicht gleich Brief
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