Die umsatzsteuerliche Beurteilung der Tätigkeiten von Physiotherapeuten und Masseuren ist nicht ohne Schwierigkeiten und Fallstricken. Jede ausgeführte Tätigkeit muss einzeln geprüft und im Hinblick auf Umsatzsteuerfreiheit oder -pflicht und anzuwendenden Steuersatz geprüft werden.

Umsatzsteuerfrei sind nach § 4 Nr. 14 Buchst. a S. 1 UStG die „Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin, die im Rahmen der Ausübung der Tätigkeit als Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker, Physiotherapeut, Hebamme oder einer ähnlichen heilberuflichen Tätigkeit durchgeführt werden”.

Für die Anerkennung der Steuerfreiheit ist es erforderlich, dass

– die die Behandlung durchführende Person eine in § 4 Nr. 14 Buchst. a UStG ausdrücklich genannte oder eine ähnliche heilberufliche Tätigkeit ausübt

und

die jeweilige Leistung eine Heilbehandlung darstellt.

Die erste Notwendigkeit einmal vorausgesetzt, sind Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin Tätigkeiten, die zum Zweck der Vorbeugung, Diagnose, Behandlung und, soweit möglich, der Heilung von Krankheiten oder Gesundheitsstörungen beim Menschen vorgenommen werden (Abschn. 4.14.1 Abs. 4 UStAE).
Es ist daher jeweils zu prüfen, ob ein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht.
Auch Behandlungen im Anschluss/Nachgang einer ärztlichen Diagnose, für die die Patienten die Kosten selbst tragen, sind grds. nicht als steuerfreie Heilbehandlung anzusehen.
Sofern für diese Anschlussbehandlungen keine ärztliche Verordnung vorliegt, handelt es sich hierbei um steuerpflichtige Präventionsmaßnahmen.

Aufgrund in der Vergangenheit teilweise abweichender Rechtsauffassung kann es allerdings für vor dem 1.1.2012 ausgeführte Umsätze unbeanstandet bleiben, wenn ein Physiotherapeut/staatlich geprüfter Masseur die Behandlungen, die er im Anschluss an (ebenfalls von ihm vorgenommene) ärztlich verordnete Behandlungen durchgeführt hat, bisher steuerfrei behandelt hat.

Für die Steuerfreiheit von Physiotherapieleistungen (z. B. Massagen) ist es daher erforderlich, dass diese Teil eines konkreten, individuellen, der Diagnose, Behandlung, Vorbeugung und Heilung von Krankheiten oder Gesundheitsstörungen dienenden Leistungskonzeptes sind (BFH-Urteil vom 7.7.2005, V R 23/04, BStBl 2005 II S. 904).

Leistungen, die aus kosmetischen Gründen oder zur Verbesserung des Wohlbefindens („Wellness”) durchgeführt werden oder die keinen unmittelbaren Krankheitsbezug haben, weil sie lediglich den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern sollen, sind nicht steuerbefreit ( BFH-Urteil vom 7.7.2005, a. a. O.; BFH-Beschluss vom 28.9.2007, V B 7/06, BFH/NV 2008 S. 122).

Die Steuerbefreiung kommt für physiotherapeutische Leistungen daher nur in Betracht, wenn sie aufgrund ärztlicher Anordnung oder im Rahmen einer genehmigten Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme erbracht werden.
Nach den vorgenannten Grundsätzen sind sowohl klassische Physiotherapieleistungen ohne Verordnung als auch typische Wellness-/Kosmetik-Anwendungen umsatzsteuerpflichtig.
Für diese Leistungen kommt die Steuerermäßigung nach § 12 Abs. 2 Nr. 9 UStG in Betracht, da gemäß Abschn. 12.11 Abs. 3 UStAE bestimmte physiotherapeutische Leistungen (wie z. B. Fango oder Heilmassage) als begünstigte Heilbäder einzustufen sind.
Da es für die Anwendung der Steuerermäßigung ausreicht, dass das Heilbad seiner Art nach allgemeinen Heilzwecken dient (Abschn. 12.11 Abs. 4 UStAE), unterliegen die Umsätze, die typischerweise von Physiotherapeuten oder staatlich geprüften Masseuren erbracht werden und die von den Krankenkassen grundsätzlich als Heilmittel anerkannt sind, dem ermäßigten Steuersatz. Reine Wellness-Anwendungen (z. B. Thai-Massagen, Hot Stone, Lomi-Lomi u. ä.) unterliegen hingegen insgesamt dem vollen Steuersatz.

Bei Fragen zu diesem Themenkomplex sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen gerne weiter und finden Lösungen!

Umsatzsteuer der Physiotherapeuten und staatlich geprüften Masseure
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